Die Seeländer sind lieb und nett
Bieler Tagblatt vom 26.07.2005, Ressort Seeland
Heinz Margot moderiert die Sendung «Bsuech in», die gestern im Erlacher Schlosshof zu Gast war. Er sieht sich als Reisebegleiter bei der Erkundung des Seelands.
Sibylle Dickmann
Elastischen Schrittes mit dem Knopf im Ohr und einem Lächeln auf den Lippen begrüsst Moderator Heinz Margot das Publikum. Nach Aarberg, Ins und Murten ist Erlach der vierte Gastgeber in der Region. Ausserordentlich offenherzig und freundlich: So hat der Moderator von «Bsuech in», Heinz Margot, die Seeländer bis jetzt kennen gelernt. Und das sage er nicht, weil sich das so gehöre, sondern weil die Seeländer wirklich «lieb und nett» seien.
«Ich habe den einfachsten Job»
Tritt der Moderator auf den Plan, ist ein Grossteil der inhaltlichen Arbeit schon getan. Die Filmbeiträge sind gedreht, der Ablauf der Sendung festgelegt. Margot bleibt nur noch, einen gelungenen Übergang von einem Beitrag zum anderen zu finden. «Aber auch da haben die Journalisten schon Vorschläge gemacht. Eigentlich habe ich den einfachsten Job im ganzen Sendeteam», konstatiert Margot. Dreiviertel der Texte hat Margot schon vorbereitet. Am Sendetag selber nimmt er sich dann noch drei Stunden Zeit, daran zu feilen. «Es gibt immer wieder Anpassungen im letzten Moment.» Trotz seines markanten Dialektes schreibt er hochdeutsch und übersetzt beim Ablesen laufend. «Eine Gewohnheit aus der Theaterzeit.»
«Ein Moderator muss ehrlich sein»
Margot zieht es vor, nicht nach Stichworten frei zu sprechen, sondern sich auf den Text zu verlassen. «Lieber gut abgelesen als etwas vergessen.» Bis auf die Sprechroutine hat das Präsentieren einer solchen Sendung allerdings nichts mit Theater zu tun: «Ein Moderator darf nicht spielen. Er muss natürlich und ehrlich sein. Alles andere durchschauen die Leute.» Ehrlichkeit, das gehöre zu seiner Grundeinstellung. Deshalb hat er auch keine Angst vor einer Live-Sendung: «Das ganze Leben besteht aus Pannen. Hat man keine Angst, dann passiert auch weniger.» Und wenn doch: «Das Publikum hat für nichts mehr Verständnis, als für Versprecher, Stolperer, Unebenheiten. Eigentlich kann einem gar nichts passieren.»
«Ich habe naive Fragen gern»
Nervös? Ja, trotz positiver Grundeinstellung und Routine gehöre das dazu. Obwohl Nervosität nicht das richtige Wort für den Zustand vor der Sendung sei. «Eher eine übersteigerte Form von Konzentration. Das braucht es, um während der Sendung präsent zu sein.» Die Rolle des Reisebegleiters gefällt Margot. «Ich bin nicht hier, den Leuten die Region zu erklären, sondern um sie mit ihnen gemeinsam zu erkunden.» Denn ausser Vinelz und Umgebung kannte der Basler mit Restaurant in Zermatt eigentlich wenig vom Seeland. Fremd sein habe auch seine Vorteile. Man gehe unbelasteter an das Thema heran und könne nach Herzenslust Fragen stellen. «Ich bin gerne naiv.»
«Es braucht nicht immer Kritik»
Viel Platz für Hintergrund und Tiefgang bleibt in dem stündigen Spektakel allerdings nicht. Auch der Beitrag von Nik Hartmann, der hinter Erlachs Schokoladenseite schauen will, fördert wenig wirklich Negatives zu Tage. Dass die Einwohner des Ortes nicht freiwillig vor der Kamera jeden Dreck nach vorne kehren würden, sei menschlich, findet Margot. Ausserdem müsse man ja auch nicht immer eine kritische Studie abliefern. «Das Seeland ist wie viele Regionen der Schweiz einfach schön. Das darf man ruhig zur Schau stellen.»
Telegenes Seeland
sid. Der Erlacher Schlosshof: Eine Kulisse, wie sie fernsehtauglicher nicht sein könnte. Authentisch alt, arenaförmig, mit Ausblick zur Petersinsel. Auch die Zuschauer scheinen die Kulisse zur Fernsehsendung «Bsuech in» zu schätzen. «Durchschnittlich rund 600 000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben die bisherige Reise durchs Seeland verfolgt», freut sich Fernseh-Redaktor Rico Dettling.
Die Verantwortlichen hatten die Qual der Wahl bei der Auswahl der Sendeorte im Seeland. «So viele schöne Ortsbilder mit intakten Kulissen», schwärmt Rémy Trummer, Redaktionsleiter Volkskultur - ein Bieler, der erst vor wenigen Jahren nach Zürich zog. Schon im Dezember des vergangenen Jahres sei eine erste Equipe inkognito durchs Seeland gereist, um ideale Sendeorte zu rekognoszieren, erzählt Trummer. Aus der Fülle der Möglichkeiten wurden sechs Drehorte ausgewählt. Für die konkrete Ausgestaltung der Sendung waren dann Christian Messerli und Rico Dettling zuständig. «Das Seeland ist nicht nur landschaftlich schön, es zeichnet sich durch eine grosse Vielfalt aus», sagt Dettling. «Überall haben wir Erzählenswertes entdeckt.» Bei der Auswahl der Ortskundigen, der Musikgruppen und der Beiträge habe man sich von den lokalen Behörden beraten lassen. «Die Entscheidung liegt aber in unseren Händen», betont Rémy Trummer. Schliesslich wolle man sich nicht dreinreden lassen. Bemerkenswert ist für Dettling die grosse Offenheit und Hilfsbereitschaft, auf die das Fernsehen in der Region gestossen sei. Überall seien Behörden und Vereine zur Mithilfe bei der Festwirtschaft und der Organisation vor Ort bereitgestanden. «Das ist nicht ganz selbstverständlich.»
Am Montag, den 8. August steht Twann auf dem Reiseplan des Schweizer Fernsehens, am 15. August schliesst die Serie mit dem Besuch in Biel.
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